Zusammenfassung
Unboxing
42 %
Alltagstest
54 %
Gesamt
51 %

In diesem IO HAWK Exit Cross Test verraten wir dir, was der Offroad-King unter den E-Scootern wirklich kann:


Es ist ein GefĂŒhl der ErfĂŒllung, als es endlich an der TĂŒr klingelt. Über drei Monate habe ich gewartet, verfolgt und gehofft. Jeden Tag habe ich die Google News Seite aktualisiert, um nachzugucken, ob es Neuigkeiten bezĂŒglich der Straßenzulassung fĂŒr E-Scooter, oder ĂŒber den Auslieferungszeitraum meines GerĂ€ts der Begierde gibt.

Dann endlich ist es soweit. Ich habe eine Mail bekommen, dass mein IO Hawk Exit Cross auf dem Weg zu mir ist – und zwischen 11 und 15 Uhr eintreffen wird.

Ich öffne die TĂŒr. Der DPD Bote erklimmt hechelnd die letzten Stufen. „Verdammt schwer, der PrĂŒgel!“ erklĂ€rt er. „Ham se so nen Roller-Teil bestellt?“ Ich antworte stolz: „Ja, ist das erste Modell mit Straßenzulassung!“ Er nickt zustimmend und kehrt um – vermutlich mit dem Gedanken „na toll, wenn datt erst datt erste Teil is, muss ich bald noch mehr so PrĂŒgel schleppen
“

Die Versicherungsplakette liegt bereits zu Hause. In weiser Voraussicht hat IO Hawk mir bereits ein paar Tage vorher die Fahrzeugidentifikationsnummer zukommen lassen, damit ich sofort losdĂŒsen kann.

IO Hawk Exit Cross Test: Das Unboxing

Also ran an den Schinken. Ich mache behutsam die Verpackung auf. Mir fĂ€llt direkt auf: Viel Styropor, aber auch einige TĂŒtchen. Ich muss also erstmal basteln. Und das ist leichter gesagt als getan. An vielen Stellen sind nervige Klebestreifen, die ich erstmal abziehen muss und die unschöne Klebereste an den Griffen und am Roller hinterlassen. Die Aufbauanleitung ist sehr unausfĂŒhrlich – ich muss also auf die dort erwĂ€hnte Service-Internetseite zurĂŒckgreifen.

„Der Zusammenbau von einem Exit Cross dauert in der Fabrik in China nur 85 Sekunden!“ Erinnere ich mich an ein Instagram Video, das IO Hawk Europe auf ihrem Kanal vor einigen Tagen veröffentlicht hat. „Die hĂ€tten sich mal lieber doppelt so viel Zeit nehmen, und das Ding fahrbereit zusammenschrauben sollen
“ denke ich mir.

Die Videos der Service-Seite sind leider auch nicht besonders ausfĂŒhrlich. Außerdem kann man die kleinen Videos nicht vergrĂ¶ĂŸern. Kundenfreundlich geht anders.

Nach einer Dreiviertelstunde schrauben und ausprobieren steht dann alles. Mir ist ein wenig warm. Aber ich bin froh, es jetzt geschafft zu haben. Dennoch sieht das Endergebnis eher unbefriedigend aus:

  • Die Bremskabel hĂ€ngen aus einem scharfkantigen Spalt, der sie mit der Zeit sicher aufschneiden wird (und sind mit schwarzem Tape umwickelt, das sich sicher mit der Zeit lösen wird).
  • Lampen sind von außen drangeschraubt – und sehen auch wie nachtrĂ€glich erst genehmigt und hinzugefĂŒgt aus.
  • Das Nummernschild wird von zwei Schrauben mit Muttern gehalten, die sich auf dem Berliner Kopfsteinpflaster bestimmt schnell lösen werden.
  • Das raue Grip-Pad fĂŒr einen sichereren Stand wurde in der Fabrik nicht bĂŒndig aufgeklebt – und steht nun ĂŒber (siehe Foto)

Alles eher unschön und fĂŒr den Early-Adopter Preis von 1.100€ hĂ€tte ich durchaus mehr erwartet. Selbst der Iconbit ik-1969k fĂŒr rund 300€ sieht da deutlich fertiger aus.

IO HAWK Kratzer an Rad-Abdeckung hinten
Schlechte Verarbeitung am Trittbrett des IO Hawk Exit Cross
Flecken an Radabdeckung des IO Hawk Exit Cross
Unboxing
42 %

IO Hawk Exit Cross Test: Die technischen Daten

ProduktĂŒbersicht IO Hawk Exit Cross
IO Hawk Exit Cross
AkkukapazitÀt15.6 mAh
Geschwindigkeit20 km/h
Gewicht19.8 kg
Leistung500 Watt
Lenker verstellbar
Reichweite52 km
BereifungLuftreifen
BremseScheibenbremsen
DisplayJa
SchaltungGasgriff
Abmessungen115 x 53 x 120 cm (Geklappt: 124 x 22 x 50 cm)
WasserdichtigkeitSpritzwasser
Listenpreis1.029,00 €

Aber nun gut. Probieren wir mal, ob es der Fahrspaß wieder wett macht. Die technischen Daten versprechen auf jeden Fall viel:

  • Ein kraftvoller 500 Watt Hinterradmotor ermöglicht bis zu 20 Grad Steigung.
  • 10 Zoll, luftgefĂŒllte Offroad Reifen zum Fahren auf jedem Untergrund bieten genĂŒgend Grip – auch bei nasser Fahrbahn.
  • Reichweite: 30 km (10.4 Ah Batterie) oder 48 km (15.6 Ah Batterie).
  • Der IO Hawk Exit-Cross ist fast komplett aus Aluminium gefertigt.
  • Maximalgeschwindigkeit (wie bei allen in Deutschland zugelassenen Scooter) 20 km/h.
  • Akku: Lithium Ionen 48V 10,4 ah (499,2Wh) oder 15,6 ah (748,8 Wh).
  • Ladezeit: Schnelllader 110V-240V 50-60HZ, 5-6 Stunden mit 15 Ah Akku, ca 4-5 Stunden mit 10.4 Ah Akku.
  • Starke StoßdĂ€mpfer vorne und hinten, die fast alle Bodenunebenheiten ausgleichen und sogar SprĂŒnge ermöglichen.
  • Bremsen: Zwei mechanische Scheibenbremsen von Wuxi (vorne und hinten).
  • Blinker, vorne am Lenker, sorgen fĂŒr Sicherheit mit einfacher Bedienung am Lenker. ( Blinker werden ca. Januar 2020 nach Zertifizierung ausgeliefert)
  • Der eScooter wiegt 19.8 kg. Ein Tragegurt zum Tragen ĂŒber die Schulter ist inklusive.
  • Die TrittflĂ€che vom IO Hawk Exit Cross ist fast doppelt so breit wie bei herkömmlichen Scootern. So hast Du maximalen Halt und kannst auch bei Bedarf deine FĂŒĂŸe problemlos auch nebeneinander positionieren.

Die Daten machen also schon einmal Freude auf mehr. Der Motor gehört zu den stĂ€rksten, die Reifen sind sogar fĂŒr Sand nutzbar und auch die StoßdĂ€mpfer machen einiges her, sodass auch das Berliner Kopfsteinpflaster nicht allzu sehr auf die Knie gehen sollte. DarĂŒber hinaus verspricht auch die AkkukapazitĂ€t lang anhaltenden Fahrspaß.

Also raus auf die Straße:

IO Hawk Exit Cross Test: Der Alltagstest

Kopfsteinpflaster, Spielplatzsand und Waldweg. Ich möchte den Exit Cross so richtig auf den Zahn fĂŒhlen. Zuallererst muss ich das GerĂ€t jedoch aus dem zweiten Stock nach unten tragen. Jetzt verstehe ich, warum der Postbote so geflucht hat.

Der Exit Cross ist nicht nur relativ unhandlich zu tragen (ohne den optisch nicht ganz so schönen Tragegurt), er wiegt außerdem auch verdammt viel (und ich wĂŒrde mich doch schon als Herkules-artig stark bezeichnen, Anm. d. Authors).

Als ich es dann geschafft habe bin ich glĂŒcklich und gespannt. Ich steige auf den Roller, beginne zu treten, drehe am Gasgriff (ja, es gibt keinen Gasknopf, wie bei den bekannten Modellen der Sharing-Anbieter) und es passiert – nichts. Bestimmt drei Sekunden lang muss ich warten, bis der Scooter, der dank seines Gewichts und seiner Reifen eh schon relativ schwer anzuschieben ist, sich bewegt. Das wirkt unschön und ist eine eindeutig zu lange Verzögerung der Gasannahme.

Dann jedoch haut es mich fast runter. Die 500 Watt des Motors ziehen ruckartig an und das Adrenalin steigt in meine Venen. Das ist mal ein Antritt. So etwas kennt man von bestehenden Sharing-Scootern definitiv nicht. Doch dann:

Nichts mehr. Der Scooter zeigt 20 km/h auf seinem Display an und die Drosselung kickt ein. Aufgrund des starken Motors wirkt es jedoch nicht wie eine normale Drosselung. Es ist vielmehr, als wĂŒrde man mit angezogener Handbremse fahren.

Unbefriedigend.

DarĂŒber hinaus wirkt es außerdem, als wĂŒrde die Drosselung bereits vor dem Erreichen der 20 km/h einsetzen. Ich hole also das GPS-Speed MessgerĂ€t raus. Und tatsĂ€chlich. Der Scooter drosselt mich auf 17 km/h runter. Schneller wird’s nicht. Sehr sehr Ă€rgerlich.

Und als sei ich nicht schon bedient genug, werde ich auch noch von drei Berliner Hipster auf ihren Lime-Rollern ĂŒberholt.

Nun gut. Ich gehe davon aus, dass dieses Problem mit der nĂ€chsten Überarbeitung behoben wird. Deshalb konzentriere ich mich weiter auf meinen Test.

Beim Kopfsteinpflaster dann die BestĂ€tigung. Gute Federung ist das A und O. TatsĂ€chlich gleitet der Exit-Cross fast schon ĂŒber die römisch-germanisch anmutenden Kutschenwege, die mir mit dem ein oder anderen Scooter durchaus schon Knieprobleme bereitet haben. Ein Riesen Plus fĂŒr den Exit Cross.

Auch Steigungen auf dem Waldweg und HĂŒgel bereiten dem IO Hawk Exit Cross keine Probleme. Selbst im Sand des Spielplatzes kommt der Scooter zurecht, auch wenn ich ihn dort nicht allzu lange fahren möchte. Scheibenbremsen sind schließlich ein empfindliches Gut.

ZurĂŒck auf der Straße kommt jedoch eine Ampel. Ich ziehe die rechte Bremse. Dabei den Gasgriff loszulassen ist aufgrund des Grips sehr schwer, und ich lege mich fast hin, weil der starke Motor mich ĂŒberrumpelt. Die Entscheidung, anstatt eines Knopfes einen Gasgriff bei einem E-Scooter zu verwenden, kostet mich fast ein paar Schrammen. Praktikabel geht anders.

Auch in anderen Situationen, in denen ich bremsen muss, kommt es zu Problemen. Die spĂ€te Gasannahme fĂŒhrt dazu, dass ich nach einer Bremsung nicht direkt weiterfahren kann, was immer wieder in riskanten Manövern mĂŒndet.

Und als wĂ€re ich noch nicht bedient genug, fĂ€llt plötzlich das Nummernschild ab. Ich hatte mir schon gedacht, dass so etwas passieren wĂŒrde. Zwei Schrauben mit Muttern reichen fĂŒr die Schlagloch-durchzogenen Straßen der Hauptstadt nicht aus.

Ich packe zusammen, fahre wieder nach Hause und montiere den Scooter auseinander. Schon bei der Geschwindigkeitsdrosselung wurde ich mir bewusst, dass ich den Scooter vielleicht zurĂŒckschicken wĂŒrde. Am Ende komme ich einfach nicht drum herum.

Zu unausgereift wirkt das GefÀhrt. Zu schwer, zu unhandlich, zu schnell auf den Markt gebracht. Man wollte um jeden Preis Erster sein. Das ging leider zu Lasten der QualiitÀt.

Alltagstest
54 %

Das Fazit zum IO Hawk Exit Cross

Der Ansatz des IO Hawk Exit Cross ist toll. Gute Materialien, viel Power, guter Akku, tolle Bremsen und StoßdĂ€mpfer. Die Umsetzung ist jedoch zu unausgereift. Da wirken selbst deutlich gĂŒnstigere Modelle wie der Fischer Ioco 1.0 durchdachter.

Ich werde den Exit Cross erneut testen. IO Hawk hat bereits angekĂŒndigt, ihn stark ĂŒberarbeitet zu haben. Es ist quasi der HUMMER unter den E-Scootern und das Konzept passt eigentlich fĂŒr meine BedĂŒrfnisse. Das erste Modell bekommt jedoch lediglich das PrĂ€dikat „stets bemĂŒht“.

Ich vergebe auch aufgrund des hohen Preises eine Gesamtbewertung von lediglich 51%.

Testergebnis
51%
April 2022

Update: IO Hawk hat am 27.10. verkĂŒndet: „*NEU*Wir haben den Exit Cross noch besser gemacht und in der Version 1.6 die Gasannahme optimiert, sowie das Kabelmanagement, das Schutzblech nochmals stĂ€rker gemacht und die StoßdĂ€mpfer verbessert“

Alle E-Scooter mit Straßenzulassung im Vergleich findest du hier: E-Scooter mit Straßenzulassung

Hier findest du außerdem weiteres E-Scooter Zubehör:


Seb ist „der Techniker“ unter den Scooterianern. Als Berliner weiß er auf alle Fragen zum Thema E-Scooter eine Antwort, die mit „Ick gloob
“ anfĂ€ngt. Neben der E-MobilitĂ€t ist Seb begeisterter Radfahrer.